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Qualitätssicherung in der medizinischen Begutachtung

Medizinische Gutachten sind eine zentrale Grundlage für Leistungsentscheide in der Sozialversicherung. Damit diese Entscheide fair und nachvollziehbar sind, braucht es klare Anforderungen an die Qualität der Gutachten und verlässliche Möglichkeiten, diese Qualität zu überprüfen. Die EKQMB arbeitet dazu mit zwei sich ergänzenden Instrumenten: Qualitätskriterien und Qualitätsindikatoren.

Qualitätskriterien

Qualitätskriterien sind fachliche Anforderungen an ein einzelnes Gutachten. Sie werden im Peer Review Verfahren als Massstab für die Ergebnisqualität versicherungsmedizinischer Gutachten verwendet und beantworten die Frage, ob Gutachten den fachlichen Anforderungen entsprechen. Die Qualitätskriterien wurden im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen entwickelt, von der EKQMB überarbeitet und im Jahr 2024 im Manual zum Peer Review Verfahren sowie im Prüffragenkatalog veröffentlicht. Sie umfassen sechs Einzelkriterien (formale Gestaltung, Verständlichkeit, Transparenz, Vollständigkeit, fachliche Kompetenzen, Wirtschaftlichkeit) sowie das übergeordnete Kriterium der Nachvollziehbarkeit.

Während Qualitätskriterien die Qualität im Einzelfall sichern, ermöglichen Qualitätsindikatoren ein Monitoring.

Qualitätsindikatoren

Qualitätsindikatoren beziehen sich nicht auf ein einzelnes Gutachten, sondern auf eine Vielzahl von Gutachten. Es handelt sich um Messgrössen, die sichtbar machen, bei welchem Anteil der Gutachten bestimmte Anforderungen erfüllt sind und in welchen Bereichen sich wiederkehrende Probleme zeigen. Damit ermöglichen sie ein Monitoring und unterstützen die Qualitätsindikatoren die Einhaltung von Mindeststandards und ethischen Richtlinien. Zudem machen sie die Qualität der Begutachtung transparenter, ermöglichen Vergleiche und bieten eine Grundlage, um Verbesserungsprozesse gezielt einzuleiten.

Damit dienen Qualitätsindikatoren der Überwachung und Bewertung der Qualität medizinischer Gutachten auf Systemebene. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf Bereiche mit vertieftem Prüfbedarf und geben Hinweise darauf, ob systematische Qualitätsprobleme bestehen.

Peer Review Verfahren PRV

Die EKQMB setzt zur Prüfung versicherungsmedizinischer Gutachten ein Peer Review Verfahren ein. Es ermöglicht eine systematische Beurteilung der Qualität von Gutachten nach klaren und einheitlichen Kriterien. Grundlage ist ein strukturierter Prüffragenkatalog. Die Prüfung erfolgt durch erfahrene Peers mit umfassenden Kenntnissen der Invalidenversicherung und der versicherungsmedizinischen Begutachtung. Damit lässt sich die Qualität einzelner Gutachten nachvollziehbar und verlässlich überprüfen.

Systematische Befragung der Versicherten zum Erleben medizinischer Begutachtungen

Die EKQMB will künftig systematisch erfassen, wie versicherte Personen eine medizinische Begutachtung im Rahmen eines IV-Abklärungsverfahrens erleben.

Eine medizinische Begutachtung ist nicht mit einer therapeutischen Situation vergleichbar. Sie dient der medizinischen Sachverhaltserhebung in einem Rechtsverfahren. Für die betroffenen Personen kann sie eine belastende Ausnahmesituation darstellen. Umso wichtiger ist es, dass Ziel, Zweck und Ablauf der Begutachtung verständlich erklärt werden und die Untersuchung in einer angemessenen, respektvollen und empathischen Gesprächsatmosphäre stattfindet.

Mit der Befragung der begutachteten Personen will die EKQMB die Perspektive der Versicherten in die globale Qualitätsprüfung einbeziehen. Ziel ist es, einen besseren Überblick über die aktuelle Begutachtungspraxis in der Schweiz zu gewinnen und möglichen Handlungsbedarf zu erkennen. Zur Vorbereitung der Befragung hat die EKQMB eine externe literaturbasierte Studie bei Prof. Muschalla und weiteren Mitwirkenden in Auftrag gegeben. Die Studie zeigt den wissenschaftlichen Stand sowie die Bedingungen auf, unter denen ein solches Instrument wirksam eingesetzt werden kann.

Die Befragung soll den betroffenen Personen ermöglichen, ihre Erfahrungen mit der Begutachtung einer unabhängigen Stelle mitzuteilen. Die Durchführung der Befragung soll elektronisch über eine Online-Plattform erfolgen und die Ergebnisse sollen dazu beitragen, allfälligen Handlungsbedarf zu identifizieren, Empfehlungen zu formulieren und bei Bedarf mit einzelnen Gutachterinnen und Gutachtern oder Gutachterstellen in einen Qualitätsdialog zu treten.

Qualitätskriterien

Die Qualität eines medizinischen Gutachtens wird anhand klar definierter Qualitätskriterien erfasst. 2024 veröffentlichte die EKQMB den sogenannten Prüffragenkatalog, in welchem die Qualitätskriterien beschrieben sind.

Qualitätsindikatoren

Um die Qualität von Gutachten systematisch erfassen zu können, hat die EKQMB sechs Qualitätsindikatoren definiert. Sie schaffen eine Grundlage für mehr Transparenz, Vergleichbarkeit und gezielte Verbesserungen im Begutachtungswesen. Drei Indikatoren betreffen den Ablauf der Begutachtung und damit die Prozessqualität, drei weitere die inhaltliche Qualität der Gutachten und damit die Ergebnisqualität. Gemeinsam machen sie sichtbar, ob zentrale Qualitätsanforderungen eingehalten werden und wo Handlungsbedarf besteht.

Peer Review Verfahren

Das Peer Review Verfahren dient der Prüfung versicherungsmedizinischer Gutachten nach klaren und einheitlichen Kriterien. Grundlage dafür ist ein strukturierter Prüffragenkatalog und die Beurteilung durch erfahrene Peers mit umfassenden Kenntnissen der Invalidenversicherung.